Vor anderen aufgedreht, zu Hause leer

Der Abend war gut. Sie haben erzählt, Sie haben gelacht, jemand hat beim Abschied gesagt, mit Ihnen sei es immer lustig. Dann fällt zu Hause die Tür zu, und nach zwei Minuten ist nichts mehr da. Keine Freude, kein Ärger, keine Traurigkeit. Was Sie an diesem Abend gewollt haben, könnten Sie nicht sagen.

Ähnlich geht es Menschen, die immer lächeln und keine Bitte abschlagen, damit andere sie für nett halten. Nach außen kommen sie mit allen gut aus. Sobald sie allein sind, können sie kaum sagen, was sie eigentlich mögen. Sie sind erschöpft und wissen nicht einmal, wovon. Der Grund: Wer über Jahre zuerst darauf achtet, wie die anderen reagieren, hat nie geübt, bei sich selbst nachzusehen, was er fühlt und braucht.

Der Rat, sich selbst zu lieben, klingt für solche Menschen vage. Das liegt nicht daran, dass sie kein eigenes Ich hätten, das sie lieben könnten. Es liegt an der Angst, von den anderen fallengelassen zu werden, sobald sie zeigen, was sie wirklich empfinden. Diese Angst macht es ihnen schwer, die eigene Stimme überhaupt zu hören, also zu merken, was sie selbst wollen und fühlen.

Kommt es darauf an, wie laut Sie lachen — oder darauf, was zu Hause davon übrig bleibt?

Nicht jeder, der laut ist, ist innerlich leer; wie stark jemand sich ausdrückt, hängt von Temperament und Situation ab. Worauf es ankommt, ist der Unterschied zwischen vorher und nachher: vor Leuten aufgedreht, zu Hause kein Gefühl mehr. Wiederholt sich das, drückt das laute Lachen womöglich nicht nur Freude aus. Es kann auch dazu dienen, sich selbst ständig aufgedreht zu halten, damit man die Leere nicht spürt.

Wenn die eigenen Gefühle blass sind und man sich selbst kaum spürt, bringen lautes Lachen, Alkohol und die Aufmerksamkeit der anderen den Körper auf Touren. Das Herz schlägt schneller, die Leute reagieren, und für einen Moment entsteht das Gefühl: Ich bin da. Der Haken liegt im Danach. Lachen, Alkohol und Aufmerksamkeit sind starke Reize, aber an den eigenen Gefühlen, die man vorher kaum gespürt hat, ändern sie nichts. Sobald die Reize nachlassen, kehrt die Leere zurück. Beim nächsten Treffen braucht es lauteres Lachen und mehr Aufmerksamkeit, damit sich dieses „Ich bin da“ wieder einstellt. So entsteht ein Kreislauf, in dem nur die Reize immer stärker werden.

Übertriebene Munterkeit kann Depression und das Gefühl, nichts wert zu sein, verdecken. Manche Menschen zeigen nach außen genau das Gegenteil des Gefühls, das sie kaum aushalten: Wer sich nicht hilflos fühlen will, gibt sich übertrieben stark; wer ein Gefühl der Minderwertigkeit verbergen will, spielt sich groß auf. In der Psychoanalyse heißt es Abwehr, wenn ein Gefühl, das man kaum aushält, auf diese Weise zugedeckt wird. Dieses Verhalten lässt sich auf zwei Arten verstehen. Als Reaktionsbildung: Man zeigt das Gegenteil dessen, was man fühlt. Oder als manische Abwehr: Man hält sich in Hochstimmung und Betriebsamkeit, damit Traurigkeit und das Gefühl, nichts wert zu sein, gar nicht erst aufkommen.

Trotzdem darf man aus einer fröhlichen Art allein nicht auf eine versteckte Depression schließen. Und wer deutlich weniger schläft und trotzdem nicht müde ist, plötzlich viel mehr redet und unternimmt, impulsiv Geld ausgibt oder Risiken eingeht, sollte darin nicht einfach einen Charakterzug sehen. Hier ist zuerst eine fachliche Abklärung nötig, ob eine Manie oder deren mildere Form, eine Hypomanie, vorliegt.

Ist jede angepasste Miene schon eine Maske?

Sich je nach Situation anders zu verhalten, ist eine normale soziale Fähigkeit. Wenn Sie im Büro nicht jedes Gefühl aussprechen, das in Ihnen aufsteigt, und höflich bleiben, muss Ihnen das niemand als Maske vorwerfen. Das Problem beginnt woanders: wenn Sie die freundliche, gut gelaunte Rolle bei keinem Menschen mehr ablegen können und der Unterschied zwischen dem, was Sie innerlich fühlen, und dem, was Sie nach außen zeigen, dauerhaft wehtut.

Diese Rolle muss keine Lüge und keine Verstellung sein. Oft hat man sie schon als Kind gelernt, weil man bei den Menschen, auf die man angewiesen war, nur mit ihr sicher war.

Warum achten manche Kinder zuerst auf das Gesicht der Eltern und erst dann auf ihr eigenes Gefühl?

Ein Kind, das keine Szenen macht, nicht sagt, was es braucht, und zuerst auf die Stimmung der Erwachsenen achtet, wird oft gelobt. Es lohnt sich aber, genau hinzusehen: Ist das Kind von Natur aus ruhig? Oder hält es sich zurück, weil es fürchtet, ausgeschimpft zu werden oder den Eltern zur Last zu fallen, wenn es etwas verlangt?

Im zweiten Fall liest das Kind im Gesicht der Eltern, wie es ihnen geht, noch bevor es merkt, was es selbst braucht. Es hat Hunger und sagt es den beschäftigten Eltern nicht; es ist gekränkt und lächelt, damit die Stimmung am Tisch nicht kippt. Dass dieses Kind so vernünftig wirkt, ist dann keine Reife, sondern Anpassung: Es hält sich zurück, damit die Beziehung zu den Eltern nicht in Gefahr gerät. Wurde ein Kind ausgeschimpft, wenn es wütend war, und galt es als schwach, wenn es traurig war, lernt es: Sicher bin ich nur mit dem fröhlichen, vernünftigen Gesicht. In der Kindheit hat dieses Gesicht es geschützt. Im Erwachsenenleben kann genau dieses Gesicht im Weg stehen: Wer gelernt hat, nur das fröhliche Gesicht zu zeigen, tut sich schwer, um Hilfe zu bitten, und lässt andere kaum an sich heran.

Manche Kinder müssen die Stimmung zu Hause auffangen, weil ein Elternteil häufig ausrastet oder depressiv ist. Ein solches Kind unterdrückt Weinen und Wut, denn sicher ist es erst, wenn die Eltern ruhig sind. Ohne dass es jemand verlangt, hilft es im Haushalt, kümmert sich um die jüngeren Geschwister und macht keine Probleme. Hier sind die Rollen vertauscht: Nicht die Eltern sorgen für das Kind, sondern das Kind sorgt für die Eltern. Fachleute nennen diese Umkehrung Parentifizierung, von lateinisch parens, Elternteil: Das Kind wird zum Elternteil seiner Eltern gemacht. Nach außen wirkt es früh verantwortungsvoll. Doch dabei kommt es womöglich kaum dazu, um Hilfe zu bitten, sich auf andere zu verlassen oder etwas auszuprobieren und dabei Fehler zu machen. Als Erwachsener bemerkt so jemand die Bedürfnisse anderer sehr schnell und die eigene Erschöpfung sehr spät.

Lob macht diese Anpassung noch fester. Sätze der Eltern wie „Mit dir hatten wir nie Arbeit“ oder „Du warst schon immer vernünftiger als dein Bruder“ sind für ein Kind eine große Belohnung. Es hält noch mehr aus, um geliebt zu werden, und hat das Gefühl, die Eltern zu enttäuschen, sobald es sagt, dass ihm etwas schwerfällt. Ein Kind, das Probleme macht, fällt auf und bekommt eher Hilfe; der Schmerz des stillen Kindes bleibt oft jahrelang unbemerkt. Wenn Sie als Kind oft gelobt wurden, beweist das also nicht, dass Sie geborgen waren. Die Frage ist, was Sie aushalten mussten, um dieses Lob zu bekommen.

Was braucht ein Kind, damit ein Gefühl es nicht umwirft?

Der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott hat das, was ein Kind dafür braucht, Halten genannt: Eine betreuende Person hält aus, was ein Säugling mit seinem Körper und seinen Gefühlen zeigt, und nimmt es an. Gemeint ist etwas Konkretes: nach dem Grund suchen, wenn das Kind weint, es beruhigen, wenn es erschrocken ist, und die Beziehung nicht abreißen lassen, wenn es zeigt, was es will. Dafür muss niemand jeden Wunsch erfüllen. Es genügt, beim Kind zu bleiben, bis es sein Gefühl gezeigt hat und wieder ruhig wird, und das so verlässlich, dass das Kind damit rechnen kann. Erlebt ein Kind das immer wieder, wächst daraus die Empfindung: Auch wenn ein unangenehmes Gefühl kommt, wirft es mich nicht um. Ein Kind, das dagegen die Eltern beruhigen musste, lernt zuerst, seine Gefühle zu verbergen.

Damit zurück zum Abend vom Anfang. Um zu sagen „Ich bin einsam“ oder „Ich habe Angst, dass die anderen mich nicht mögen“, braucht es die Überzeugung, dass eine Beziehung nicht abreißt, wenn man sich schwach zeigt. Diese Überzeugung wächst aus Erfahrungen wie den eben beschriebenen: Das Kind zeigt, was es fühlt, und die Beziehung hält. Fehlt diese Überzeugung, kann man seine Traurigkeit nicht offen aussprechen; stattdessen lacht man lauter oder gibt sich stärker, als man ist. Wer dagegen aussprechen kann, dass er einsam ist oder Angst hat, bringt in diesem Moment schon die Kraft auf, dieses Gefühl auszuhalten, statt es wegzulachen. Dabei muss man sich nicht jedem anvertrauen. Entscheidend ist, das eigene Gefühl wenigstens vor sich selbst nicht zu verbergen.

Fühlt sich Liebe für ein Kind wie ein Zeugnis an, wenn es Wärme nur bei guten Leistungen gibt?

War ein Elternteil warm, solange die Noten gut waren, und kühl, wenn eine Klassenarbeit schlecht ausfiel, zieht das Kind einen Schluss: Geliebt werde ich, wenn ich es gut mache. Vielleicht haben die Eltern Nachhilfe bezahlt und alles Nötige besorgt, und sie haben das Gefühl, viel gegeben zu haben. Wenn aber nach einem Misserfolg niemand da war, der das Kind getröstet und gefragt hat, wie es ihm geht, kann diese Liebe beim Kind wie ein Zeugnis ankommen: als Bewertung. Zurück bleibt dann eher das Gefühl, verwaltet worden zu sein, als das Gefühl, geliebt worden zu sein. Ein Kind, das nur für gute Ergebnisse Wärme bekommt, lernt, anderen zuerst seine Leistung zu zeigen. Das ist dasselbe Muster wie bei dem Kind, das gelernt hat, dass es nur mit dem fröhlichen, vernünftigen Gesicht sicher ist: Beide zeigen zuerst, was gut ankommt, und nicht, wie es ihnen geht.

Was liegt unter der Rolle — ein verborgenes wahres Gesicht?

Vielleicht wollen Sie jetzt unter der Rolle nach Ihrem eigentlichen Ich suchen, als läge dort ein einziges wahres Gesicht verborgen. So ein Gesicht gibt es nicht. Wie ein Mensch fühlt, ändert sich mit der Beziehung und mit der Situation. Wie Sie in der Familie sind, wie bei der Arbeit und wie allein, lässt sich nicht in echt und unecht sortieren. Sich selbst zu finden heißt vielmehr herauszufinden, welche Gefühle und Bedürfnisse in all diesen Situationen wiederkehren und welche Werte und Entscheidungen Ihnen wichtig sind. Ein Beispiel: Am Familientisch schlucken Sie eine Antwort hinunter, im Büro lachen Sie über eine Bemerkung mit, die Sie nicht lustig finden. Das bedeutet nicht, dass zu Hause Ihr echtes und im Büro Ihr falsches Ich spricht. Es ist zweimal dasselbe Muster: Sie halten zurück, was Sie empfinden. Solche wiederkehrenden Muster zu bemerken, ist ein Teil davon, sich selbst zu finden.

Wo und wie können Sie anfangen, kleine Wahrheiten auszusprechen, ohne dass es Sie etwas kostet?

Sie müssen die Rolle nicht vor allen Menschen ablegen. Wer Ihre Schwächen ausnutzt oder Vertrauliches weitererzählt, dem zeigen Sie Ihr Inneres besser nicht; sich ihm zu öffnen, wäre keine Aufrichtigkeit, sondern ein Risiko. Fangen Sie dort an, wo ein offenes Wort nicht bestraft wird: bei einem verlässlichen Freund, bei einer Therapeutin, bei einem Menschen, der Sie noch nie bloßgestellt hat.

Dafür reichen kurze Sätze, kleine Wahrheiten wie diese: „Heute möchte ich niemanden sehen.“ „Das hat mich verletzt.“ „Ehrlich gesagt mache ich diese Arbeit nicht gern.“ Achten Sie darauf, wie der andere reagiert, und entscheiden Sie danach, wie viel Sie von sich zeigen. Zu zeigen, was Sie wirklich fühlen, heißt aber nicht, den anderen anzugreifen oder jedem Impuls nachzugeben, nur weil er echt ist.

Für Abende wie den am Anfang dieses Textes gibt es eine Übung. Wenn Sie nach Hause kommen und die Leere da ist, schalten Sie nicht sofort eine Serie an und öffnen Sie nicht gleich eine Flasche. Gehen Sie stattdessen den Abend noch einmal durch. Gab es eine Stelle, an der Sie übertrieben haben, um anerkannt zu werden? Haben Sie eine unangenehme Frage weggelacht? Und wenn es Ihnen schwerfällt, jetzt allein zu sein: Wovor haben Sie dabei Angst? Schreiben Sie auf, was Ihnen dazu einfällt.

Das Ziel ist nicht, weniger zu lachen, sondern unterscheiden zu können, ob das Lachen Freude ausgedrückt oder Schmerz zugedeckt hat. Wenn Sie benennen können, woher die Leere kommt, können Sie auch ohne das Aufdrehen vor anderen spüren: Ich bin da. Selbstliebe ist dann keine Belohnung, die erst kommt, wenn man sich endlich gefunden hat. Selbstliebe besteht genau darin: die eigenen Gefühle bemerken, sie auf sichere Weise aussprechen und für die Folgen geradestehen. Die freundliche Rolle müssen Sie dafür nicht aufgeben; im Büro oder an einem geselligen Abend darf sie ihren Platz haben. Wenn Sie aber immer wieder zu dem zurückfinden, was Sie selbst fühlen und wollen, sind Sie in dieser Rolle nicht mehr eingesperrt. Dann können Sie auch in Ihren Beziehungen Sie selbst bleiben.


Geschrieben von Kim Hyung-keun — Direktor des Seoul Addiction Psychology Institute · Direktor des Institute for Contemporary Psychoanalysis · Objektbeziehungstherapeut und Supervisor, seit 26 Jahren in Praxis und Lehre. Beratungsforum

한국어 · English